Verbandskader/D1/2-Kader

Aus Volleyball Baden-Württemberg - Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Talentfindung muss im D1/2-Kader intensiv fortgesetzt werden, da es sehr wahrscheinlich ist, dass nicht alle Kinder erfasst werden konnten (Wohnortswechsel, bei Sichtung nicht anwesend, „hat sich nicht getraut“, hat noch kein Volleyball gespielt), die körperliche Entwicklung im EKaderbereich bei manchen Kindern noch nicht absehbar war oder Kinder aus anderen Sportarten sich erst spät umorientieren. Volleyball ist eine typische Quereinsteigersportart. Die vielseitige Ausbildung in anderen Sportarten stellt oftmals eine ideale Basis für Volleyball dar, bei dem aufgrund des hohen technisch-taktischen Anforderungsprofils das Höchstleistungsalter im Vergleich zu anderen Sportarten erst spät erreicht wird. Vor allem bei Jungen ist die Orientierung auf Quereinsteiger von herausragender Bedeutung. Bei Findung eines talentierten Quereinsteigers muss den Trainern klar sein, dass seine Entwicklung wesentlich von einer differenzierten, individuellen Betreuung und Ausbildung abhängt. Voraussetzung ist immer das Vorhandensein einer intakten Basisgruppe. Die beim E-Kader fixierten Talentkriterien bleiben weiterhin bestehen und sind vor allem in ihren Beziehungen und Abhängigkeiten untereinander zu beachten.

Anthropometrische Voraussetzungen

In der Pubertät ist die Beurteilung nach dem Kriterium der Größe aufgrund der zeitlich verschiedenen Wachstumsschübe nicht einfach. Zwischen retardierten und akzelerierten Kindern bzw. Frühund Spätentwicklern bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede. Um die retardierten Kinder („große Schlackse“) herausfinden zu können, sind die beim E-Kader beschriebenen Beobachtungshilfen weiterhin von Nutzen. Ebenso sind die unstetigen Entwicklungsschübe innerhalb des zu fördernden Doppeljahrgangs unbedingt zu berücksichtigen. Beim Übergang in den D1-Kader beträgt die Differenz zum jüngeren Jahrgang bei den Mädchen u. U. 10 cm, bei den Jungen ist sie z. T. sogar noch größer. Bei unklaren Prognosen ist zu diesem Zeitpunkt die Finalkörperhöhe (FKH) durch die Sportmedizin bis auf 2-3 cm bestimmbar. Im Falle einer für internationale Verhältnisse zu geringen FKH ist eine Perspektive als Spezialist (Libero) zu prüfen. Der Beginn des D-Kaders fällt in die Phase der Pubeszenz (erste puberale Phase). Sie geht einher mit einem Gestaltwandel, der nach dem gesteigerten Längenwachstum und den charakteristischen Disproportionen zwischen Extremitäten und Rumpf eine Gewichtszunahme mit sich bringt. Bei der Beurteilung des noch zu erhoffenden Größenwachstums spielt der Quotient aus Körpergröße und Körpergewicht (Leistungsquotient (LQ): Körpergröße in cm/Gewicht in kg) eine entscheidende Rolle. Die von uns gesuchten retardierten Kinder haben einen LQ zwischen 3,2 und 3,7. Besonders bei Jungen des älteren Jahrgangs nimmt das Körpergewicht aufgrund der Kraftzunahme deutlich zu, der LQ liegt nur noch bei 2,8 bis 3,2. Der LQ dient auch zur Relativierung der athletischen Testwerte. Mit Entwicklung der Kraftfähigkeiten wird es zwangsläufig zu einer Gewichtszunahme kommen, die jährlich etwa 3-5 kg beträgt und dadurch den LQ weiter senkt.

Freude am Spiel

Um einen Spieler an die Spitze führen zu können, muss in dieser Phase die Freude am Volleyballspiel deutlich sichtbar sein. Müssen Spieler ständig zu Wettkämpfen, Turnieren oder zur Teilnahme an Trainingscamps überredet werden, ist eine Entwicklung zum Spitzensportler nicht wahrscheinlich. Angeregt durch ein abwechslungsreich gestaltetes Training sollte die Motivation, Volleyball spielen zu wollen, deutlich erkennbar sein.

Umgang mit dem Ball

Bei der Beurteilung von Quereinsteigern ist die allgemeine Fähigkeit, mit dem Ball umgehen zu können, ein wichtiges Eignungskriterium. Für den planmäßig entwickelten D1/2-Kader sind motorische Fertigkeiten im Sinne erlernter Bewegungsabläufe (Technik) in ihrer Qualität bereits konkret messbar (Statistik), wobei das Vermö- gen, eigene Bewegungsabläufe, z. B. falsche Teilbewegungen, zu korrigieren bzw. Techniken in den verschiedenen Spielsituationen anzuwenden, ein wichtiges Talentkriterium ist. Allgemeine Voraussetzungen hierfür sind sowohl die konditionellen Fähigkeiten (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer) als auch die koordinativen Fähigkeiten, die durch Steuerungs- und Regelprozesse determiniert sind (Beweglichkeit/Flexibilität sowie Gewandtheit als Summe aus Kopplungs-, Differenzierungs-, Gleichgewichts-, Rhythmus-, Reaktions- und Umstellungsfähigkeit). Dazu kommt die psychophysische Leistungsfähigkeit als Resultat des Zusammenwirkens aller zentralen Organe, der Sinnesund Vollzugsorgane sowie des psychischen Antriebs. Gibt es Defizite in einem der Teilbereiche, sind sie in dieser Ausbildungsphase durch gezieltes Training abzustellen.

Sprungfähigkeit

Für die Ausbildung eines Volleyballspielers nimmt die Entwicklung der Sprungfähigkeit einen gro- ßen Stellenwert ein. Im Grunde zielen alle Maßnahmen des entwickelnden Krafttrainings darauf ab, höher springen, schärfer schlagen und in den einzelnen Aktionen schneller agieren zu können. Aber gerade wenn man dieses Ziel vor Augen hat und verantwortungsbewusst handeln will, muss man sich darüber im Klaren sein, dass jetzt in dieser Phase, vor allem bei den retardierten Sportlern, keine Höchstleistungen erreicht, sondern die entscheidenden Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Es darf zu diesem Zeitpunkt kein Krafttraining mit Gewichten stattfinden. Lediglich das eigene Körpergewicht darf für Stabilisationsübungen benutzt werden. 3.5 Lernfähigkeit/Leistungsbereitschaft Der Erziehungs- und Ausbildungsprozess im E-Kaderbereich muss mittel- und langfristig wirkende Motive aufbauen, die in der Bereitschaft des (Top-) Athleten münden, Leistungssport betreiben zu wollen. In der Phase des Übergangs vom „Spielen“ zum „Trainieren“ rücken jetzt Faktoren wie Trainingsfleiß, Beharrlichkeit und Belastungsverträglichkeit in den Blickpunkt. Lernfähigkeit bezieht sich nun nicht mehr auf einzelne Teilbereiche, sondern auf das Lösen umfassender Aufgabenstellungen. Die im Volleyball notwendigen kognitiven Fähigkeiten sind durch nehmend komplexeres Trainieren und stets abwechslungsreiche Übungsformen zu schulen. Das Lösen taktisch orientierter Trainingsaufgaben ist zugleich für einen Großteil der Athleten äußerst motivationsbildend. Die Aufgabe des Trainers in diesem Zusammenhang besteht darin, die für die Ausprägung des dynamischen Stereotyps wichtigen Wiederholungszahlen zu gewährleisten. Mit dem Einstieg in die Wettkampftätigkeit wächst die Bedeutung der psychischen Faktoren. Stressresistenz und Frustrationstoleranz können zu leistungsbestimmenden Faktoren werden. Unabdingbare soziale Komponenten des Volleyballspiels wie Integrations- und Kooperationsfähigkeit sind in dieser Etappe auszuprägen.

Soziales Umfeld: Eltern, Schule, Freunde

Haben die Kinder den Zugang zum Verein bzw. zu einer Mannschaft gefunden, tritt der Stellenwert der Eltern etwas in den Hintergrund. Trotzdem bleiben sie als Erziehungsberechtigte das Maß der Dinge, besonders an der Schnittstelle zwischen Schule und Sport. Durch das „G8“ haben sich die schulische Belastung und der zeitliche Aufwand für Jugendliche deutlich erhöht. Darauf zu reagieren und Bedingungen zu schaffen, die ein leistungsorientiertes Training in einer Teamsportart dennoch ermöglichen, ist von größter Bedeutung. Für die Entwicklung der Toptalente ist oftmals ein Vereins- oder (Wohn-) Ortswechsel notwendig. Hier sind die Eltern schnellstmöglich und umfangreich in alle Aktivitäten einzubeziehen. Freunde sind in diesem Alter wichtige Bezugspersonen, die Entwicklungsrichtungen entscheidend beeinflussen können.

Lösungsansätze für die Findung weiterer Athleten im D1/2-Bereich

„Spieler ziehen Spieler“ ist nach wie vor die einfachste aber auch wirkungsvollste Methode, um neue Spieler zu gewinnen. Dabei sollte ein ständiges Nachfragen, ob die bereits vorhandenen Spieler in ihrer Umgebung interessierte (große) Freunde haben, stattfinden. Diese dürfen sie natürlich jederzeit mitbringen. Außerdem sollten Beziehungen zu den Sportlehrern/Rektoren der Region aufgebaut und genutzt werden, indem beispielsweise eine Sichtung bei allgemeinen und speziellen Sportfesten (JtfO) gemacht wird. Gerade in größeren Vereinen sind Kontakte zu anderen Sportarten, bei denen einsetzendes Größenwachstum oder Spätentwicklungen leistungsbegrenzend wirken bzw. Höchstleistungen nicht mehr erreichbar sind (Fußball, Hockey, Schwimmen, Turnen, Leichtathletik, Skispringen), sehr nützlich um Spieler für Volleyball zu gewinnen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Zusammenarbeit mit den Staffelleitern der Aktivenrunden, um Jugendliche zu gewinnen, welche in keinerlei Nachwuchsmannschaften spielen. Dies ist in vielen kleinen Vereinen der Fall.