Mittelblocker

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Für die Position des Mittelblockers werden übergroße (Männer: 2,00m+, Frauen: 1,90m+), zusätzlich möglichst sprungfähige und spielintelligente Spieler gebraucht. Auf dieser Position ist Größe durch nichts zu ersetzen. Da durch die Einsatzmöglichkeit des Liberos die MB nur wenig im Hinterfeld agieren müssen, nimmt man bei deren Auswahl oftmals koordinative Schwierigkeiten in Kauf. Der MB muss über eine andere Art Spielintelligenz als seine Mitspieler verfügen. Er liebt es, das Spiel im Kopf vorzudenken, Wahrscheinlichkeitsberechnungen anzustellen und auf „den richtigen Moment“ zu warten. Dabei ist ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz unabdingbar. Aufgrund der speziellen Anforderungen muss der MB spezifische Bewegungsformen beherrschen und in kürzesten Sequenzen äußerst dynamisch agieren. Hierbei sind, den Spielsituationen angepasst, verschiedene Schrittfolgen anzuwenden (z. B. Richtungswechsel nach Körperschwerpunktverlagerung). Derzeit wird der MB auch immer zugleich als Schnellangreifer eingesetzt. Da der Schnellangriff zu einem fest definierten Zeitpunkt erfolgt, ist seine Aushol- und Schlagbewegung im Gegensatz zum AA nicht von unterschiedlichen Zeitabläufen abhängig und entspricht so eher der „klassischen Form“. Auch beim MB ist es wichtig, die vielseitige Ausbildung in jungen Jahren nicht zu vernachlässigen. Wie oft hängen Spiele an dem „einen Zuspiel“ oder wäre die Verteidigung eines machbaren Balles durch den MB spielentscheidend gewesen. Im Folgenden werden die Anlauftechniken für die Position des MB sowie die einzelnen Blocktechniken in Abhängigkeit zum Außenblockspieler dargestellt.

Mittelblock (Außenblock Außenstart)

  • Ausgangsstellung dort, wo der gegnerische Schnellangreifer erwartet wird
  • Bereitschaftsstellung wie Außenangreifer, Füße leicht nach außen gedreht, die Höhe der Armhaltung ist abhängig von der Art des Blockes gegen den Schnellangreifer – bei Entscheidung zum Nachspringen Hände höher
  • Gegen Schnellangriffe („1“, „2“, „3“) wird die Ausgangsstellung mittels Nachstellschritten korrigiert, nach Absprung Arme direkt über die Netzkante schieben, Schulterachse parallel zum Netz, Finger gespreizt, Handgelenke fest fixiert, Kopf gerade mit Blick zum Ball, in der Regel ist ein direkter Blockerfolg anzustreben.
  • Weiche, kontrollierte Landung (Ganzkörperspannung lange aufrecht erhalten)
  • Größere Distanzen (zur Außenposition) werden im 2er-Rhythmus (Richtungsfuß – Stemmschritt) überwunden (Schrittfolge wie Außenblock). Zur Optimierung der Absprungposition ist bei ausreichender Zeit am Ende der Schrittfolge noch ein Nachstellschritt möglich.
  • Gegen Kombinationspässe auf engem Raum bleiben die Arme in hoher Ausgangshaltung, gegen Pässe über eine längere Distanz ist ein aktiver Armschwung auszunutzen (zeitabhängig), zur stabileren Laufbewegung und Stemmphase wird der Richtungsfuß leicht vom Netz entfernt gesetzt, der Körperschwerpunkt bleibt konstant in einer Höhe.
  • Nach schlechter Annahme ist die Ausgangsposition so zu wählen, dass gegen den hohen Pass auf Position IV und einen eventuellen Rückraumangriff über Position I optimal geblockt werden kann (mittig stehen und beobachten).

· Ziel ist, den Außenblock optimal zu schließen und eventuell einen passiven Block zu stellen – Hände nach hinten abklappen, so dass der abprallende Ball im eigenen Feld spielbar ist. Unter Zeitnot ist so viel Raum wie möglich abzudecken.

Mittelblock (Außenblock Innenstart)

  • Ausgangsstellung mittig, so dass jede Position erreichbar ist
  • Der Schnellangreifer wird außerhalb der Mittelzone nicht verfolgt/unmittelbar geblockt (Übernahme durch Außenblockspieler)
  • Erfolgen Korrekturen der Ausgangsposition, muss ein Aufschließen zu beiden Außenpositionen möglich bleiben.

Bsp.: Bei Läufer Vorderfeld übernimmt der Außenblocker den Schnellangreifer, somit ist die Ausgangsstellung zwischen Schnellangriff und Außenangriff zu wählen. Trotzdem muss die Position gewährleisten, dass der MB den gegnerischen Rückraumspieler blockieren kann

  • Der Mittelblocker bleibt so lange wie möglich im Gleichgewicht (nicht „zucken“), dies gilt vor allem bei hohen/halbhohen Pässen.

Der Mittelblocker ist in der Regel auch der Spezialist für den Schnellangriff. Hier sind bevorzugt folgende Spezialanläufe zu beherrschen (Rechtshänder):

Anlauf Schnellangriff

„1“

  • Ausgangsstellung entsprechend der Rotation knapp links bzw. rechts vor der Seitenauslinie und so nah wie möglich an der „Drei-Meter-Linie“
  • Steht der Schnellangreifer vor dem Aufschlag mit einem Außenangreifer im „Bündel“, so sollte sich der Schnellangreifer netzferner postieren, denn er muss als Erster angreifen
  • Anlaufausgangsstellung ist mit 2 Schritten beginnend mit dem rechten Fuß parallel zum Netz und dem Vorstellen des linken Fußes, alternativ mit Seitsteps zu erreichen
  • Von Anfang an optimale Fuß- und Körperstellung für den nachfolgenden Anlauf suchen
  • Unmittelbare Anlaufausgangsstellung erfolgt ausschließlich links vom Zuspieler und muss einen dynamischen Anlauf sichern (2er-Rhythmus)
  • Bei Rechtshändern dabei immer linken Fuß vorn; der Angreifer ist so jederzeit, z. B. bei zu flachen oder ungenauen Annahmen, anlaufbereit
  • Nach schnellstmöglicher Einnahme der Anlaufausgangsstellung sind auf dieser Position eventuelle kurze Aufschläge anzunehmen; der Laufweg wird von den Annahmespielern gesichert
  • Anlaufvorbereitung nicht verzögern
  • Nach der Annahme Ball über der rechten Schulter stets im Blickfeld behalten, mit Ausnahme eines kurzen Aufschlags auf die Position IV
  • Der Anlaufrhythmus erfolgt dann immer aus der gleichen Ausgangsstellung mit linkem, vorgestelltem Fuß - links und Stemmschritt (rechts/links).
  • Von Position II ist die Schrittfolge flüssig zu gestalten (ohne Stopp): rechts, links, links (zur Orientierung und Timingoptimierung), Stemmschritt
  • Absprungort in Entfernung zum Zuspieler beträgt eine Armlänge, vergrößert sich jedoch mit der Entfernung des Balles zum Netz
  • Optimale Distanz zum Netz: beim Abschlag ca. 0,75 m, beim Absprung 1-1,5 m; je höher ein Spieler anschlagen kann, desto weiter vom Netz entfernt springt er ab
  • Absprung im Moment des Ballkontaktes durch den Zuspieler
  • Abschlag des Balles im Umkehrpunkt der Flugkurve; es wird als kein Aufsteiger, sondern ein kurzer Ball gespielt
  • Aushol- und Schlagbewegung entsprechen der Grundtechnik

„3“

  • Wie „1“
  • Einziger Unterschied: Absprungort 2 m links vom Zuspieler entfernt

„1-weg“

  • Anlauf für den Schlag beginnt stets rechts vom Zuspieler
  • Der Anlauf ist wie der des „1“
  • Unterschied: der Mittelblocker springt ca. 20 cm weiter links vom Zuspieler entfernt ab und springt dann zusätzlich vom Zuspieler weg

„2“

  • Anlauf für den Schlag beginnt stets rechts vom Zuspieler
  • Sollte der Angreifer von links auf den Zuspieler zulaufen, so muss er für den Absprungort einen Ort kurz hinter dem Zuspieler definieren
  • Absprungort unabhängig von der Spielposition immer 0,75 m hinter dem Rücken des Zuspielers und 0,75 m weiter vom Netz entfernt als der Zuspieler
  • Im Übrigen wie „1“

Abb. 62: Durchführung Schnellangriff „1“ von links Abb. 63: Vorbereitung und Durchführung Schnellangriff „1“ von rechts Abb. 61: Vorbereitung Schnellangriff von links

Einbeiner „10“ (Codierung aus dem Frauensystem):

Dieser Pass wird aktuell nur im Frauenvolleyball gespielt. Hier ist er aber ein wichtiger Bestandteil im Angriffsaufbau. Allerdings ist er nur mit Rechtshändern möglich.

  • Ausgangsposition etwa 2,5-3 m vom Netz entfernt (links vom Zuspieler); analog zum Start beim Schnellangriff vor dem Zuspieler.
  • Der Anlaufweg führt nahe am Zuspieler – nahezu netzparallel – vorbei Richtung Position II
  • Der Anlauf wird so gestaltet, dass sich der Angreifer mit dem rechten Fuß auf Höhe des Zuspielers befindet, wenn dieser den Ball in der Hand hat; es folgt ein weiterer langer Schritt, wobei der linke Fuß etwa im 45 Grad-Winkel zum Netz aufsetzt.
  • Der Abdruck erfolgt nach vorn-oben, die Hüfte wird aktiv gestreckt, beide Arme werdendynamisch vor/hoch geschwungen und die Schlagbewegung wird eingeleitet. Dadurch wird die durch den Absprung eingeleitete Linksdrehung fortgesetzt.
  • Der Treffpunkt des Balles erfolgt im netznahen Bereich des letzten halben Netzmeters vor der Antenne mit annähernd netzparallelen Schultern. Dadurch ist der Angriff in jeden Feldbereich des Gegners möglich.
  • Beidbeinige Landung im Bereich der Seitenlinie oder sogar etwas außerhalb.