Methodik zum Erlernen der Basistechniken vom Anfänger- bis zum E-Kader-Bereich

Aus Volleyball Baden-Württemberg - Wiki
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Dieser Teil des Entwicklungskonzeptes besteht aus 4 Etappen. Diese Etappen können zur Überprüfung der einzelnen Trainingsfortschritte in den Übungsgruppen dienen. In jeder Etappe wird erklärt, welche der eingeführten Techniken die Kinder zum jeweiligen Zeitpunkt erlernen sollten, und durch einige Spielbeispiele ergänzt.

1. Etappe: Grundausbildung (8-10 Jahre, 3.-5. Klasse)

Kinder, die sich zu diesem Zeitpunkt für „Volleyball“ entscheiden, können dieses Spiel natürlich noch nicht spielen. Der effektivste Weg zum Erlernen wichtiger Basistechniken besteht darin, die Trainingsgestaltung auf technikorientierte Spiele auszulegen. Dabei sollten folgende Grundsätze beachtet werden:

  1. Bewegungsvorstellung vermitteln
    • Exakte Technikbilder vorgeben
    • Visuelle Lernfähigkeit ausnutzen
  2. Bewegungsausführung ermöglichen
    • Bewegungsschwerpunkte setzen
    • Entsprechende Übung (Spiel) wählen
    • Hohe Handlungszahl garantieren
  3. Bewegungsausführung korrigieren/bestärken
    • Auf Beobachtungsschwerpunkte konzentrieren
    • Schlüsselfehler suchen
    • Falsche Bewegungen isolieren, richtig darstellen, vereinfacht üben, erneut in Gesamtbewegung (Spiel) integrieren
    • Gelungene Bewegungsausführung bestärken

Parallel zur Entwicklung von exakten Technikbildern müssen die Kinder grundsätzliche Bewegungen und koordinative Fähigkeiten erlernen. Dies funktioniert besonders gut über spezielle Vorbereitungsspiele. Im Folgenden werden einige Anreize gegeben, wie solche Spiele aussehen könnten.

Spielbeispiele (Wurfspiele über das Netz)

Da diese Phase ganz am Anfang der Entwicklung des angehenden Volleyballers steht, werden hier noch keine volleyballspezifischen Techniken geschult, sondern lediglich die Grundlagen für die spätere Ausführung geschaffen. Deshalb beruhen alle Spiele nur auf Fangen und Werfen. Die Kinder lernen dabei ihre eigene Position im Raum einzuschätzen und Flugkurven von Bällen zu antizipieren. Diese zwei Eigenschaften sind die Grundvoraussetzungen für das spätere Volleyballspiel.

Mögliche Vorgaben für einzelne Spiele:

  • Der Fangpunkt muss auch der Abwurfpunkt sein
  • Der Aufschlag erfolgt in den verschiedensten Wurfarten Ziel: Einhändiges Werfen über Kopf; dient als Vorbereitung für die Schlagbewegung
  • Direktes Spielen oder einmaliges Abspielen mit bestimmten, vorher festgelegten Wurfarten (in keiner Form „Pritschwerfen“ – führt wegen mangelnder Kraft zu falschen Techniken)
  • Belohnung verschiedener Fangarten (Schulung von Antizipation und Bewegungsformen zum Ball)
  • Ball wird über dem Kopf gefangen
  • Ball wird beidhändig vor dem Bauch gefangen
  • Ball wird mir gestreckten Armen im Sprung über dem Kopf gefangen (beidhändiger Abwurf der Gegenseite von unten Voraussetzung)
  • Ball wird im Abrollen oder Sitzen gefangen
  • Beid- oder einhändiger Wurf im Sprung
  • Beidhändiger Wurf mit Armschwung aus dem Stand (Block)
  • Einhändiger Wurf mit Auftaktschritt (Stemmschritt, Fußfolge beachten!)
  • Als Steigerungsform: Fangen, Abspiel bzw. Wurf über das Netz muss in kurzen Zeitabständen erfolgen (innerhalb einer Aktion)
  • Abspiel muss in einer bestimmten Zone gefangen werden (am Netz)

Je besser diese Grundlagen beherrscht werden, desto leichter lassen sich volleyballspezifische Techniken entwickeln.

1 gegen 1 (Technikorientierte Spiele)

In diesem Bereich sollten folgende Techniken (Schlüsselpunkte) entwickelt werden:

  1. Pritschen:
    • Richtige Arm- und Handhaltung
  2. Bagger:
    • Spielbrett
    • Handverschluss
    • Richtiger Rumpf-Armwinkel

Spielvoraussetzungen

  • Kleines Feld (z. B. 5. Klasse ca. 1,5x1,5 m)
  • Je eine Ballberührung
  • Wenn der Schwerpunkt Bagger ist, sollte auf ein flaches Netz (Kopfhöhe) gespielt werden
  • Wenn der Schwerpunkt Pritschen ist, sollte das Netz höher (ca. 30 cm über Handstellung) sein

Spielbeispiele

  1. Pritschen
    • Spielbeginn (Anpfiff) erst, nachdem der Partner die richtige Arm- und Handhaltung eingenommen hat, beidhändiger Anwurf von unten – direkt zurückpritschen – fangen; nach fünf Aufschlägen ist Aufschlagwechsel
    • Spielbeginn wie oben, beidhändiger Anwurf von unten – pritschen – pritschen – fangen; Hände dürfen nicht abgesenkt werden; Aufschlagwechsel nach jeder Aktion
    • Spielbeginn wie oben, einpritschen – pritschen, bis der Ball fällt; Hände dürfen nicht abgesenkt werden („wer die Hände runter nimmt, hat verloren“); Aufschlagrecht bekommt der Punktsieger
    • Hinweis: Zu ausgleichender Beinarbeit in kleinen Räumen animieren
  2. Bagger
    • Gleiche Systematik wie beim Pritschen, Hände bleiben während der gesamten Spielzeit geschlossen bzw. das Spielbrett fixiert („wer die Hände öffnet, hat verloren“)
    • Hinweis: Auf veränderte Ausgangsstellung achten (weiter hinten im Spielfeld)

Diese Spiele sollten in Mischformen ständiger Bestandteil des Trainings sein, egal auf welchem Leistungsstand sich die Athleten befinden. Sie können zum einen als spielerisches Aufwärmen, zum anderen als ständige Technikkontrolle dienen. Sie werden dann meist zu Doppel- oder Dreifachspielen erweitert.

Zwischenetappe: Grundausbildung (9-11 Jahre, 4.-6. Klasse)

Vom 1 gegen 1 zum 2 gegen 2 (Taktikorientierte Spiele)

Vom 1:1 bis zum „richtigen“ 2:2 ist es ein weiter Weg. Da in dieser Altersstufe meist nur sehr wenig Trainingszeit zur Verfügung steht, sollten die verschiedensten Wurf- und Fangspiele über das Netz angewandt werden. Mittels Regelvorgaben ist es möglich, spielerisch wichtige Voraussetzungen für das technisch schon sehr komplexe Spiel 2:2 zu schaffen. Bei dem Spieltrieb, den die Kinder entwickeln, ist darauf zu achten, unter vereinfachten Bedingungen Basistechniken so einzubauen, dass bereits erlernte Schlüsselpunkte erhalten bleiben (z. B. Arm- und Handhaltung vom Spiel 1:1). Alle beim 1:1 aufgezeigten Spiele können auch 2:2 gespielt werden. Bälle, Spielfeldmaße und Netzhöhen sind den entsprechenden Möglichkeiten der Kinder anzupassen. Die taktikorientierten Spiele ermöglichen es den Kindern, die erlernten Basistechniken unter Einbeziehung von Raum und Zeit (Antizipation, Bewegung zum Ball) auf größeren Spielfeldern anzuwenden. Zugleich kommt man ihrem Drang zum „richtigen Spielen“ insofern nach, als sie nun auf größeren Feldern spielen dürfen. Die wesentliche Idee der Spielvereinfachung besteht darin, dass der erste Ball (einfache Variante) bzw. der zweite Ball (anspruchsvollere Variante) vor dem Weiterspielen gefangen werden darf und somit das Spiel kontrollierbar wird. Es werden volleyballspezifische Taktikbausteine (Abdecken des Spielfeldes, Ball zum Ziel bringen…) im Zusammenspiel mit den zuvor vermittelten Basistechniken in Anwendung gebracht. Die taktikorientierten Spiele werden in drei wesentliche Gruppen unterteilt:

1. Ersten Ball fangen, zweiten Ball spielen

2. Ersten Ball spielen, zweiten Ball fangen

3. Spiele mit Entscheidungsfreiräumen (Optionen)

Mit nur wenig Fantasie kann man eine unglaubliche Zahl von Spielvarianten entwickeln. Eine weitere generelle Möglichkeit der Spielvereinfachung wäre, den Ball aufprallen zu lassen. Dabei funktioniert zwar das Spiel als solches mit Anfängern gut, es kann jedoch für die Entwicklung des Pritschens Nachteile mit sich bringen (z. B. zu tiefes Pritschen vor der Brust). Das Ziel bei der Weiterentwicklung der Spiele ist, bereits erlernte Schlüsselpunkte der Technik zu erhalten und zu festigen (z. B. richtige Arm- und Handhaltung). Von entscheidender Bedeutung hierbei ist, Spielfeldmaße und Netzhöhen den Schwerpunkten des Spiels bzw. den entsprechenden Möglichkeiten der Kinder anzupassen.

Spielbeispiele

Ersten Ball fangen, zweiten Ball spielen

  1. 1:1
    • Aufschlag: Einhändiges Werfen über Kopf (Schleifenwurf)
    • Fangen; beidhändiges Anwerfen des Balles von unten vor den Körper
    • Ball über das Netz in einen nicht abgedeckten Bereich pritschen (auch 2x pritschen möglich)
  2. 2:2
    • Aufschlag: Einhändiges Werfen über Kopf
    • Fangen; Partner hebt Hände in Spielstellung; nach Kontrollblick (ist die Arm- und Handhaltung richtig?) beidhändiges Zuwerfen von unten vor den Körper des Partners
    • Ball über das Netz in eine Lücke pritschen

Ersten Ball spielen, zweiten Ball fangen

  1. 2:2
    • Aufschlag: Einhändiges Werfen über Kopf
    • Eingeworfenen Ball zum Partner pritschen, welcher sich schnellstmöglich (Läufer) zur optimalen Spielposition bewegt und richtige Arm- und Handhaltung einnimmt und in dieser Position den Ball fängt
  2. Weiterentwicklung
    • Belohnung für verschiedene Fangarten
    • Fänger darf sich nach Abwehraktion bewegen und den Ball von optimaler Spielposition werfen/pritschen
    • Partner fängt den Ball nicht, sondern pritscht ihn direkt über das Netz in eine Lücke

Spielen – fangen/werfen – spielen

  1. 1:1
    • Aufschlag: Einpritschen/beidhändiger Anwurf von unten, wenn Gegner richtige Arm- und Handhaltung eingenommen hat (sonst Korrektur)
    • Pritschen – fangen (nach Festlegung auch baggern – fangen)
    • Beidhändiges Anwerfen von unten und Ball über das Netz in einen freien Bereich pritschen
  2. 2:2
    • Aufschlag: Einpritschen/beidhändiger Anwurf von unten, wenn Gegner richtige Arm- und Handhaltung eingenommen hat (sonst Korrektur)
    • Ball zum/vor Mitspieler pritschen (baggern)
    • Partner fängt den Ball; beidhändiges Zuwerfen von unten vor den Körper des Partners (darf sich nach der Abwehraktion zur optimalen Wurfposition parallel zum Netz stellen), nachdem dieser die richtige Arm- und Handhaltung eingenommen hat
    • Ball über das Netz in eine Lücke spielen

Spiele mit Entscheidungsfreiräumen mit Optionen

  1. 2:2
    • Aufschlag: Einhändiges Werfen über Kopf
    • Ball entweder fangen oder spielen (pritschen oder baggern)
    • Fangen; Partner hebt Hände in Ballerwartungsstellung; nach Kontrollblick (ist die Armund Handhaltung richtig?) beidhändiges Zuwerfen von unten vor den Körper des Partners; Ball in die Lücke pritschen (später auch schlagen)
    • Spielen; Partner fängt den Ball und darf ihn im Sprung (nur richtiger Stemmschritt ist gültig) beidhändig über das Netz werfen („angreifen“); auch nochmaliges Spielen fördern, dann werfen

2. Etappe (13/14 Jahre, 7.-9. Klasse, Ende E-Kader, Beginn D1-Kader, C-Jugend)

Technik K1

Annahme

  • Annahmepritschen

Zuspiel

  • Läufer I
  • „4“ = Meterball vor dem Zuspieler

Angriff

  • „4“, Anlauf vor dem Zuspieler, Timing Zweites Tempo
  • Bewusste Auseinandersetzung mit dem Block

===Angriffssicherung***

  • 3 Spieler Nahsicherung, 2 Spieler Fernsicherung

Technik K2

Block

  • Doppelblock
  • Außenblock
  • Mittelblock

Feldabwehr

  • Signale lesen und Bewegung zum Handlungsort
  • Blocksicherung

Feldzuspiel

  • Aufbau Chanceballriegel

Angriff

  • Nach kontrollierter Feldabwehr bietet sich der Spieler auf Position III zu „4“ an

Taktik 6:6 (6:0 System mit Läufer I)

  • Bewusste Anwendung Aufschlagstrategie

3. Etappe (14/15 Jahre, 8.-10. Klasse, D1/2-Kader, C/B-Jugend)

Technik K1

Annahme

  • Bagger seitlich

Zuspiel

  • Einführung Spezialisierung (2 Zuspieler)
  • Läufer I,VI,V
  • Sprungpass
  • gute Annahme: Grundkombinationen „1“, „0“, „6“
  • schlechte Annahme: Standardpässe

Angriff

  • Grundkombinationen
  • Erstes Tempo: „1“
  • Zweites Tempo: „0“, „6“

Angriffssicherung

  • Je 1 Hauptsicherungsspieler für Nah- und Fernsicherung

Technik K2

Aufschlag

  • Sprungaufschlag

Block

  • Zusammenspiel Außenblock – Mittelblock
  • Zusammenspiel Außenblock – Blocksicherung

Feldabwehr

  • Hauptverteidigungsspieler, Hilfsverteidigungsspieler mit festen (gegnerunabhängigen) Ausgangsstellungen
  • Taktikverteidigungsspieler mit festen (gegnerunabhängigen) Ausgangsstellungen
  • Blocksicherung

Feldzuspiel

  • Aufbau Chanceballriegel

Zuspiel

  • Differenzierung gute Feldabwehr/Chanceball/schlechte Feldabwehr

=Angriff

  • Nach Chanceballsituationen anbieten zu den Grundkombinationen des K1
  • Angriff von Position IV im Umkehrspiel nach Abwehr von Ablegern und Chanceball

Taktik 6:6 (2:4 System)

Zuspiel

  • Einführung allgemeiner Grundregeln

Allgemein

  • Gezielte Gegnerbeobachtung vor und während des Spiels
  • Einführung Statistik