Methoden der sporttechnischen Ausbildung

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Erklärung von Lernprozessen, Trainingsprozessen Bei der Planung des Trainings sind Phasen zur Erhaltung technischer Bewegungsabläufe ebenso wichtig wie die des Erlernens.

Die vier Phasen des motorischen Lernprozesses

  1. Entwicklung der Grobkoordination (Bewegungsvorstellung vermitteln); Erlernen der Bewegungshandlung
  2. Entwicklung der Feinkoordination; Vervollkommnen der Bewegungshandlung
  3. Stabilisierung der Feinkoordination und Entwicklung der variablen Verfügbarkeit auf der Basis eines dynamischen Stereotyps; Stabilisieren der Bewegungshandlung
  4. Entwicklung der Feinstkoordination unter Berücksichtigung individueller Bewegungsmuster; Erhalten und Verfeinern der Bewegungshandlung

Wird dieses 4-Phasenmodell im Training umgesetzt, so sind sehr gute Ergebnisse im technischen Bereich zu erwarten.

Methoden der sporttechnischen Ausbildung

Im Folgenden werden kurz die einzelnen Methoden der sporttechnischen Ausbildung erklärt.

Vermitteln

Die Aufgabe des Trainers liegt darin, den Athleten durch Erklären und Demonstrieren ein möglichst gutes Technikbild zu vermitteln. Die Verknüpfung von visuellen und verbalen Informationen gelingt nur dann, wenn er es schafft, eine konzentrierte Atmosphäre zu entwickeln. Dabei sollte er die Aufmerksamkeit der Athleten auf das Wesentliche lenken und anfänglich keine Detailinformationen geben.

Erarbeiten

Für die sporttechnische Ausbildung ist die Methode des Übens als wichtigste anzusehen. Dabei sollte die Konzentration auf Schlüsselpunkte innerhalb einer Gesamtbewegung gelegt werden. Der Trainer muss dabei die richtigen Impulse und Hinweise geben. Damit ist gemeint, dass er die Athleten in ihrem Arbeiten bekräftigt und korrigiert. Treten Fehler auf, so soll nicht die Fehlererscheinung korrigiert werden, sondern die Fehlerursache. Für eine sinnvolle Fehlerkorrektur bietet sich folgendes Vorgehen an: Zu Beginn steht die Beobachtung der Gesamtkoordination. Diese wird dann mit dem technischen Leitbild verglichen. Dabei werden die Ursachen des Fehlers zu Tage gefördert. Es gilt zwischen Haupt- und Nebenfehlern zu unterscheiden. Sind diese ausgemacht, müssen wirkungsvolle Korrekturmaßnahmen gefunden werden. Direkte Korrekturmaßnahmen sind:

  • Verbale Kennzeichnung
  • Gegenüberstellende Demonstration von falscher und richtiger Bewegungsausführung (Video)
  • Überspitzte Darstellung des Fehlers
  • Lenkung der Aufmerksamkeit auf den Fehlerkern

Weitere Möglichkeiten liegen in der indirekten Korrektur. Dabei gilt es, bessere körperliche Voraussetzungen (Kondition, Kraft, Koordination) zu schaffen, so dass Fehler, die sich aufgrund dieser Defizite entwickeln können, gar nicht erst entstehen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die äußeren Bedingungen zu vereinfachen. Verändert der Trainer die Übungsstruktur in diesem Sinne, hat der Athlet die Möglichkeit, sich mehr auf sein Problem zu konzentrieren.

Vertiefen

Um bestimmte Verhaltensmuster zu vertiefen, kann der Trainer seinem Athleten verschiedene Aufgaben geben. Alle Aufgaben haben die bewusste Auseinandersetzung des Sportlers mit den Bewegungsanforderungen zum Ziel. Mögliche Aufgabentypen sind:

  • Beobachtungsaufgaben
  • Bewegungsaufgaben
  • Übungsaufgaben
  • Leistungsaufgaben
  • Trainingsaufgaben
  • Studienaufgaben

Durch mentale Auseinandersetzung mit dem Sport und seinen Bewegungen kann ohne körperliches Training eine Leistungssteigerung erreicht werden. In der Literatur wird dieses Training ideomotorisches Training genannt. Aber auch das richtige Vermitteln von Taktik ist für die Athleten sehr wichtig. Für das Lösen taktischer Aufgabenstellungen dienen die folgenden Hinweise. Als Erstes muss der Trainer dem Athleten eine Basis schaffen, in der er Informationen aufnehmen kann. Diese ist bspw. in einer Spielsituation mit mind. zwei Alternativen gegeben. Des Weiteren kann der Trainer die Athleten auf die allgemeinen Erfahrungen, die sie bisher gemacht haben, hinweisen. Dabei sind Beobachtungsschwerpunkte zu setzen und Anhaltspunkte zum frühzeitigen Erkennen zu vermitteln. Ist diese Grundlage geschaffen, muss dem Athleten beigebracht werden, wie er diese Informationen verarbeiten und zur Entscheidungsfindung heranziehen kann. Dazu muss er lernen, Informationen zu ordnen und aufgabenspezifisch zu filtern. Aufgabe des Trainers ist es, frühzeitiges Entscheiden zu fördern, so dass eine Bewegungshandlung ausgeführt wird. Der Sportler soll zur sofortigen Handlung animiert werden. Dabei muss er jede sinnvolle/logische Lösung akzeptieren (auch falsche). Ist eine Handlungskette abgeschlossen, muss die Entscheidungsfindung nachvollzogen werden. Falls noch nicht geschehen, muss nun die optimale Lösung erarbeitet und ein neuer Versuch gestartet werden. Wann und welches Training stattfinden kann, ist vom Ausbildungsstand der Spieler bzw. Trainingsgruppe abhängig und kann von Jahrgang zu Jahrgang verschieden sein.