Landeskader/D3/4-Kader

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Auch im D3/4-Kaderbereich ist die Sichtung und Talentfindung nicht abgeschlossen. Die Integration von Quereinsteigern, vorzugsweise mit Erfahrungen aus anderen Sportarten, ist immer noch möglich. Sollte ein herausragendes (meist übergroßes) Talent entdeckt werden, sind umgehend Fördermaßnahmen einzuleiten. Dabei darf es keine Rolle spielen, dass für den unmittelbaren Jugendbereich kaum Erfolge zu erreichen sind. Der D3/4-Kader wird maßgeblich durch die Spätentwickler geprägt. Sie kommen jetzt langsam zur Entfaltung und machen ihr wahres Potential deutlich. Hat man die körperlichen Entwicklungsmöglichkeiten richtig prognostiziert und den Mut zu entsprechenden Fördermaßnahmen aufgebracht, führt dies oftmals zu deutlichen Niveausteigerungen des Jahrgangs.

Anthropometrische Voraussetzungen

Der D3/4-Kader fällt in die zweite puberale Phase (Adoleszens). In dieser Phase sind keine Wachstumssprünge mehr zu erwarten. Ist jedoch erst ein Schub erfolgt, können bei retardierten Jungen im Alter von 17/18 Jahren unter Umständen noch bis zu 10 cm Längenwachstum nachkommen. Dies lässt sich durch die langfristige Beobachtung des Verhältnisses von Armspannweite/ Kniehöhe und Größenwachstum prognostizieren. Werden die Unterschiede zwischen retardierten und akzelerierten Jugendlichen beachtet und die jüngeren Jahrgänge nicht vernachlässigt, werden nun erstaunliche/erfreuliche Entwicklungen erlebt. Stagnierendes Größenwachstum und stetige Gewichtszunahme sind ein deutliches Zeichen für den Abschluss der körperlichen Entwicklung. Da auf Grund der Auswahlkriterien idealerweise Spätentwicklern gefördert werden, sollte dies bei vielen Spielern nicht der Fall sein. Die Einschätzung des individuellen körperlichen Entwicklungsstandes ist für die weitere Belastungsgestaltung und die Wahl der Trainingsmittel von entscheidender Bedeutung.

Freude am Spiel

Gerade in dieser Entwicklungsetappe gewinnen andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zunehmend an Bedeutung. Ist die Freude am Spiel vorhanden, wird eine sinnvolle Koordination aller Interessen (Sport, Schule, Freizeit, Freund/in) unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen des Leistungssports immer möglich sein.

Umgang mit dem Ball

Außer bei den Quereinsteigern wird jetzt die Beurteilung der speziellen, volleyballspezifischen Fähigkeiten für die weitere Perspektive maßgebend. So gilt es zu fragen:

  • Besitzt ein Spieler Talent zur Annahme, kann er Bälle, die auf dem letzten Meter die Flugbahn verändern, mit ausgleichenden Arm- und Körperbewegungen optimal annehmen?
  • Übernimmt er in wichtigen Situationen Verantwortung und spielt bzw. fordert den Ball?
  • Sind die Hände dazu geeignet, Bälle mit unterschiedlichen Tempi präzise auf einen vorher bestimmten Punkt zu spielen (Zuspieler)?
  • Kann ein nicht optimaler Pass durch Verschiebungen im Hüft- und Schulterbereich am Block vorbei geschlagen werden?
  • Setzt der Rückraumangreifer seinen Vorderfuß unabhängig vom Pass präzise an die Linie?
  • Schafft es ein Angreifer, das Timing für verschiedene Pass- und Anlaufgeschwindigkeiten den Umständen und Erfordernissen entsprechend anzupassen?
  • Erfolgt der Absprung zum Block im richtigen Moment und im abgestimmten Zusammenspiel mit dem Nebenspieler, ohne Komplikationen zu verursachen?
  • Kann ein Spieler mit größtem Mut und Reaktionsvermögen einen scharf geschlagenen Ball mit situationsbedingten, alternativen Techniken gezielt im eigenen Feld halten?
  • Schiebt der Aufschlagspieler seine Schulter so zum Ball, dass er ohne Rotation die Hand verlässt?
  • Gelingt in Stresssituationen der im Training beherrschte Sprungaufschlag, …?

Sprungfähigkeit

Ist die körperliche Entwicklung abgeschlossen, kann mit einem leistungssteigernden Krafttraining begonnen werden (Steigerung von Sprunghöhe und Schlaghärte). Die Handlungshöhe (RH Sp) ist regelmäßig zu überprüfen. Sie ist nicht nur Ziel, sondern zugleich der wichtigste Parameter zur Regulierung des leistungsentwickelnden Krafttrainings. Verbesserungen der Sprunghöhe sind ein nicht zu unterschätzendes Kriterium für die subjektive Beurteilung der eigenen körperlichen Fitness bzw. Leistungsfähigkeit, welches für die unmittelbare Wettkampfvorbereitung auch aus psychischen Gründen für den Athleten nicht ohne Bedeutung ist. Die Fähigkeit „springen“ zu können bleibt eines der wichtigsten Talentkriterien. Hat sich die Größenentwicklung nicht im gewünschten Rahmen vollzogen, kann durch überragende Sprungfähigkeiten ein vollwertiger Ausgleich gewährleistet werden. Die maximale Handlungshöhe sollte am Ende des D4-Kaders bei 3,40 m bei Jungen und 3,10 m bei Mädchen liegen.

Leistungsbereitschaft

Ziel der Erziehung muss es sein, mit Abschluss des Baden-Württemberg-Kaders langfristige Motive aufgebaut zu haben. Die talentiertesten Spieler sollten nach Beendigung des Kaders danach streben, in die Nationalmannschaft bzw. erste Bundesliga zu gelangen. Die neue Qualität dieser Ausbildungsetappe äußert sich in klar erkennbaren leistungsorientierten Verhaltensweisen. Mehr und mehr wird die Fähigkeit, mit aller Konsequenz und größter Beharrlichkeit an der Verbesserung des eigenen Leistungsniveaus arbeiten zu können, zum entscheidenden Talentkriterium. Dies schließt die Abstimmung aller gesellschaftlichen Teilbereiche (Schule, Ausbildung, Studium, Freizeit, Freund/in…) auf das Erreichen hoher sportlicher Ziele ein. Ist diese Fähigkeit nicht vorhanden bzw. nicht entwickelt worden, handelt sich nicht um ein Talent!

Erweiternde Fördermöglichkeiten

Insgesamt ist es wichtig, im D3/4-Kaderbereich die Voraussetzungen für eine weitere, nelle Förderung zu schaffen. Ohne systematisches Training und entsprechend abgestimmte Begleitmaßnahmen können jetzt und erst recht darüber hinaus (Anschlusstraining beim VfB Friedrichshafen) keine Spitzenergebnisse erreicht werden. Es muss gelingen, Belastungsumfang, -intensität und -qualität weiter zu steigern. Dies ist für die meisten Vereine nicht leicht und allein nur selten zu leisten. Entweder sollten Top-Talente schon im D3-Kaderbereich in eines der beiden Leistungszentren gehen (Jungen Friedrichshafen, Mädchen Berlin). Alternativ ist es auch möglich, für jeden Kaderspieler individuell abgestimmte Bedingungen zu schaffen, die im vertrauten Umfeld eine weitere Leistungssteigerung ermöglichen. Hierzu sind Kadermaßnahmen, Vereins- und Stützpunkttraining optimal miteinander zu verknüpfen. Außerdem besteht nach Absprache mit dem Landestrainer die Möglichkeit eines Doppelspielrechtes in einem höherklassigen Verein der Umgebung. Das Doppelspielrecht ist einzig und allein im Sinne des Athleten anzuwenden. Dabei ist dessen Integration in die Gesamtbelastung mit allen Beteiligten abzustimmen.