Block/Feldabwehr-System (B/FA-System)

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Komplexes System

Neben der Erhöhung der Blockeffektivität ist es von großem Vorteil, wenn die Abwehrspieler Kenntnis über die Absichten ihrer Blockspieler haben. Um eines der im Baden-Württemberg-Kader angewandten Systeme erfolgreich umzusetzen, sind Spielertypen notwendig, welche über herausragende kognitive Eigenschaften verfügen. Hat man diese nicht, sollte auf die Installation eines B/ FA-Systems verzichtet werden und auf andere (wichtigere) Schwerpunkte des Blockspiels Wert gelegt werden. Wegen der vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten ist es für die Blockspieler nicht einfach, ihre bekannt gegebenen Absichten zu gewährleisten oder sinnvoll anzuwenden (z. B. dichter Pass – der Blockspieler muss den Ball zwingend nehmen, auch wenn als Richtungszeichen „diagonal” gesetzt wurde). Um notwendige Entscheidungsfreiräume zu lassen, gilt: Ein möglicher direkter Blockerfolg geht vor Absprache. Die Installation eines B/FA-Systems ist sowohl mit Außen- als auch mit Innenstarttechnik möglich.

Voraussetzungen und Vorteile des B/FA-Systems

  • Die Blockspieler sind durch einen äußeren Anlass (müssen Zeichen setzen) gezwungen, sich vor Szenenbeginn mit taktischen Überlegungen vorzubereiten (Wahrscheinlichkeitsberechnungen anzustellen)
  • Ohne Kommunikation zwischen den Blockspielern ist eine sinnvolle Anwendung nicht möglich
  • Kenntnisse über die Aufstellung des Gegners, seine Stärken und Schwächen sowie die Gewohnheiten des Zuspielers sind nicht Ziel, sondern Voraussetzung
  • Bei erfolgreicher Praktizierung gewinnen die Spieler Kontrolle über den Gegner, psychische Nachteile werden in Vorteile verwandelt
  • Eine zielgerichtete Bekämpfung der Stärken und Angriffskombinationen des Gegners ist im Verbund möglich
  • Die Zeichen ermöglichen durch die Sichtbarwerdung der Gedanken eine effektivere Spielsteuerung von außen (Co-Trainer)
  • Ohne Vorbereitung der Feldverteidigungsspieler ist die Einnahme des richtigen Handlungsortes zum schnellstmöglichen Zeitpunkt nicht wahrscheinlich
  • Vor Handlungsbeginn sind Orientierungspunkte für die FA gegeben
  • Das Wissen über den Gegner und das Erkennen eigener Möglichkeiten gibt den Spielern die Sicherheit, in jeder Spielphase den Punkt machen zu können

Funktionsmechanismen: Zeichen (zwei Hände hinter dem Rücken)

  • Untere Hand = Positionszeichen: durch die Anzahl der Finger (Position VI = Faust) wird der FA die Konzentration auf eine Position, auf welcher ein optimaler Block gewährleistet wird, bekannt gegeben
  • Obere Hand = Richtungspfeil durch Zeigefinger: durch die angezeigte Richtung wird der FA die Konzentration auf eine Seite bekannt gegeben (Anwendung nur bei Konzentration auf einen Angreifer mit klarer Zuordnung – z. B. nicht bei Kreuzungen)

Für Außenblocker: zeigt der Richtungsfinger zur Feldmitte, wird die diagonale Schlagrichtung blockiert; zeigt er zur Antenne, wird der Linienschlag blockiert

Allgemeine Zusammenhänge

Zuständigkeiten

Position II

  • In erster Linie gegen den Angreifer von Position IV (außen, innen, Verantwortung zur Übergabe bei Kombinationen) – Positions- und Richtungszeichen
  • Schließt den Block bei 2. Tempo in der Mitte (auch Rückraum) – nur Positionszeichen, wenn vorhersehbar
  • Hilft gegen Schnellangriffe in der Mitte bzw. auf der rechten Blockseite (AnnahmeAußen – Übernahme ohne gekreuzte Laufwege) – ohne Zeichen

Position IV

  • In erster Linie gegen den Angreifer von Position II (außen, innen, Verantwortung zur Übergabe bei Kombinationen), Rückraum Position I, Schnellangriff von Position III bei Läufer Vorderfeld bzw. Ableger Zuspieler – Positions- und Richtungszeichen
  • Schließt den Block bei 2. Tempo in der Mitte – Positionszeichen nur möglich, wenn vorhersehbar
  • Hilft gegen Schnellangriffe in der Mitte bzw. auf der linken Blockseite (kurzer Ball über Kopf) – ohne Zeichen
  • Dreierblock auf Position II nach ungenauem Feldzuspiel – ohne Zeichen
  • Geplanter Dreierblock gegen starken Angreifer – Positionszeichen

Position III

  • Im Prinzip dort, wo der Angriff erfolgt
  • Gegen Schnellangreifer (Taktik „Mitspringen”) – Positions- und Richtungszeichen
  • Bei Konzentration auf Außenblock oder 2. Tempo – Positionszeichen
  • Lesefolge der Abwehrspieler:
    • Position I: erst II, dann III, evtl. IV
    • Position VI: erst III, dann II, dann IV
    • Position V: erst IV, dann III, evtl. II
  • Vor und nach Aufnahme der Blockinformation wird eine individuelle Abwehrtaktik entwickelt (Wahrscheinlichkeitsberechnung ähnlich wie beim Block)
  • Die FA-Ausgangsstellung wird durch die erstmögliche Bedrohung für das eigene Feld bestimmt (Ausnahme Ableger)
  • Der Abwehrspieler richtet in erster Linie seine Konzentration auf den Angreifer (Verhältnis zum Ball, Repertoire einbeziehen), der Block wird peripher beobachtet (Vorkenntnisse einbeziehen)
  • Für die Entscheidungsfindung der Position VI ist die zu erwartende Blocknahtstelle maßgebend
  • Zur erfolgreichen Anwendung der Innenstarttechnik sind, neben den technischen, die für das B/ FA-System notwendigen taktischen Kenntnisse Grundvoraussetzung (gleiche taktische Vorbereitung; Umsetzung noch komplexer möglich; aufgrund neutraler Ausgangsstellungen sind die wahren Absichten bzw. vorrangigen Zuordnungen von außen schwerer durchschaubar)
  • Jeder Blockspieler stellt Wahrscheinlichkeitsberechnungen an
  • Informationen zum gegnerischen Angriff (vor und während der Aktion) gehen von dem Spieler aus, dessen unmittelbarer Verantwortungsbereich betroffen ist
  • Absprachen erfolgen kurz und konkret (Springe mit, Achtung „C”)
  • Für die Gesamtkoordination ist der Mittelblocker zuständig
  • Erst nach erfolgtem Informations- und Gedankenaustausch untereinander geben die Blockspieler der FA ihre Absichtserklärung bekannt
  • Zunächst werden die Zeichen gesetzt, danach die Blockausgangsstellung eingenommen
  • Sollte die erhoffte Situation nicht eintreten, werden die Absprachen hinfällig und es wird nach allgemeinen Blockprinzipien gehandelt
  • Aussicht auf direkten Erfolg geht vor Systemabsprache
  • Vor dem Aufschlag kann durch eine unauffällige Ausgangsposition die wahre Blockabsicht verschleiert und der gegnerische Zuspieler getäuscht werden