Bezirkskader/E-Kader

Aus Volleyball Baden-Württemberg - Wiki
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Viele Vereine beginnen mit ihrer Ausbildung leider sehr spät. Um aber eine breite Basis im Volleyball zu schaffen, ist es von Nöten, dass früh mit der Ausbildung begonnen wird. Die Tatsache, dass Kinder teilweise erst mit 14 Jahren beginnen Volleyball zu spielen, führt unter anderem dazu, dass das Niveau in den unteren Ligen immer weiter abfällt. Dies resultiert aus der schlichten Überalterung der Mannschaften. Die Verbände unterstützen aber schon die Ausbildung im Bereich der U13 bei den Jungen und U12 bei den Mädchen und bieten auch ein Wettkampfsystem für diese Altersklassen an. Um im Verein auch schon mit der Entwicklung beginnen zu können, ist es wichtig, dass man früh nach Talenten sucht. Trainer auf Bezirksebene haben folgende Möglichkeiten nach Talenten zu suchen. Bei der ersten Talentsichtung (E-Kader) sind sechs Kriterien besonders zu beachten.

Anthropometrische Voraussetzungen

Die Körpergröße ist das am schnellsten sichtbare Kriterium und ermöglicht eine erste Auswahl. Bei der Beurteilung der Größe ist jedoch nicht die momentane, sondern die finale Körperhöhe (FKH) von entscheidender Bedeutung. Deswegen muss den retardierten Kindern, also den Spätentwicklern, besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Kenntnisse über die Größe der Eltern, Großeltern (F2-Generation) und Geschwister können hier sehr hilfreich sein. Beobachtungshilfen: · lange Arme (Armspannweite länger als Körperhöhe – Testkriterium) · große Hände und Füße (breitgefächert, knöchern) · unproportionierte Körpersegmente, lange Unter-, kurze Oberschenkel (sieht man beim Sitzen aller Kinder auf der Bank) · dünne Beine mit nuss- oder knotenartigen Kniegelenken · dünne Arme mit stark hervortretenden Ellenknochen handwärts Körperhöhe, Körperproportionen und Körpergewicht stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Dabei ist ein geringes Körpergewicht auch ein Indiz für weiteres Größenwachstum.

Freude am Spiel

Die Möglichkeiten, ein Talent zu entwickeln, sind vielfältig. Ist jedoch bei einem Kind keine Freude am Spiel erkennbar, handelt es sich nicht um ein Talent. Höchstleistungen sind dann nicht erreichbar. Eine Eignung ist auch zu erkennen, wenn das Kind andere Spiele (Gesellschafts-, Fang-, Kartenspiele u. ä.) gerne spielt und gewinnen will oder bei Spielen und Wettkämpfen Älterer interessiert zuschaut. In jeder Ausbildungsetappe des leistungsorientierten Sports wird das Fehlen dieV. Erklärung des Fördersystems in Baden-Württemberg74 ser Grundvoraussetzung zur unweigerlichen Einschränkung der sportlichen Aktivitäten führen.

Umgang mit dem Ball

Die Fähigkeit, mit einem Ball umgehen zu können, ist in jedem Ballspiel erkennbar. Zu berücksichtigen ist, über wie viel Erfahrung mit dem Ball das Kind verfügt. Hatte ein Kind schon einmal Kontakt zu einer anderen Ballsportart, so kann es evtl. schon Ballflugkurven einschätzen, was somit nicht zwangsläufig auf ein Talent hinweist. Trotzdem gilt es zu beobachten, wie das Kind seine Position zum Ball im Raum einschätzen kann. Genauso wichtig ist es, dass ein Kind beobachten kann, mit welcher Geschwindigkeit ein Ball fliegt und welche Distanzen dabei zurückgelegt werden.

Sprungfähigkeit

Volleyball ist ein Sportspiel, das schnellkräftige Aktionen verlangt (Sprung, Schlag, Sprint) und im Wesentlichen durch Reaktions- und Aktionsschnelligkeit geprägt ist. Das schnellkräftige Talent fällt durch eine unspezifische Dynamik auf, wobei festgestellt werden sollte, ob das Kind „springen“ kann. Dabei ist darauf zu schauen, wie die Kinder im Vergleich springen. Hier erkennt man schnell ein Sprungtalent. Das Springen steht auch in Verbindung zum Gewicht. So gilt der Grundsatz: „Wer leichter ist, springt leichter.“

Lernfähigkeit/Leistungsbereitschaft

Dieses Kriterium zu erkennen erfordert etwas Zeit und genaue Beobachtung. Für die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Athleten (bei nur geringem Zeitvolumen) ist eine gute Lernfähigkeit sehr wichtig. Die Fähigkeit des visuellen Lernens steht bei Kindern dabei im Mittelpunkt. Dies muss erkannt und ausgenutzt werden. Trainer haben die Möglichkeit, die Lernfähigkeit an Kindern zu beobachten, indem sie folgende Kriterien mit Beobachtungen verknüpfen: Auffassungsgabe, Beobachtungsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Spielintelligenz.

Soziales Umfeld: Eltern, Schule, Freunde

Der Zugang zu unseren Talenten erfolgt immer über die Eltern. Sie sind das wichtigste soziale Umfeld und treffen zu diesem Zeitpunkt die Entscheidungen für den Athleten. D. h., wenn die Eltern ihr Kind nicht unterstützen, werden die fünf zuvor beschriebenen Talentkriterien (zunächst) bedeutungslos. Schule und Freunde sind ebenfalls äußerst wichtige bzw. prägende Faktoren, deren Bedeutung und Einfluss auf die heranwachsende Persönlichkeit größter Beachtung bedarf. Natürlich gibt es weitere Einflussgrößen auf das Talent (psychische Faktoren wie Stressresistenz oder Frustrationstoleranz, kognitive Fähigkeiten wie analytisches und taktisches Vermögen, soziale Faktoren wie Integrations- und Kooperationsfähigkeit, physische Merkmale wie statische und dynamische Kraft, ...). Diese zusätzlichen Faktoren sind jedoch bei der Sichtung und Ausbildung im E-Kader nicht von entscheidender Bedeutung und später weitgehend steuerbar.